Archäologie des Gotthards Teil III

Am Freitag 15.10.2010 fand der Gotthardbasistunnel-Durchbruch statt. Dies ist eine gewaltige bauliche und logistische Leistung und wir dürfen den Mineuren und ihren Kollegen herzlich gratulieren. Ein Bauwerk wie dieses wird Historiker und Archäologen der Zukunft sicher beschäftigen.

Leider hat aber die Archäologie beim Bau des Tunnels kaum eine Rolle gespielt. Zur Erinnerung an die verlorene Vergangenheit werden hier einige kurze Artikel zum Thema Gotthard erscheinen.

Zwei archäologische Grabungen, in 2007 und 2010, belegen die mesolithische Begehung des Urserentals und des Gotthardpass. Vielleicht wart Ihr selber bei den Feldarbeiten des Leventina-Projekts dabei. Dann wisst Ihr, dass die Abt. UFG der Universität Zürich etwa 100m unter der Passhöhe, Richtung Norden, beim Lago di Rodont einen Abri sondiert hat. Dabei sind drei mesolithische und eine bronzezeitliche Benützungsphase nachgewiesen worden. Die mesolithische Phasen – alle mit Feuerstellen/holzkohlenhaltigen Schichten – datieren ins Frühmesolithikum, den Übergang Früh- Spätmesolithikum und das frühe Spätmesolithikum. Die Mehrheit der Funden stammen aus Phase drei und wurden aus Bergkirstall hergestellt; eine kleine Minderheit der Artefakte aus Radiolarit.

Diesen Sommer wurde im Rahmen des Bau eines Golfresorts zwischen Andermatt und Hospental eine Prospektion durchgeführt von ProsPect gmbh. Dabei wurde u.a. eine spätmesolithische Fundstelle entdeckt, die noch teils ausgegraben werden konnte. Prof. Della Casa hat es schon erwähnt in seinem Artikel „Alte Kulturlandschaften“. Leider war aus organisatorischen und finanziellen Gründen viel zu wenig Zeit vorhanden diese Prospektion fachgerecht durchzuführen und auch von der Fundstelle konnte nur ein kleiner Teil ausgegraben werden. Sie war schon teils weggebaggert.

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Die Grabung ist noch nicht ausgewertet aber wir (die Ausgräber) können schon einiges zur Fundstelle sagen. Der Fundstelle war ~ 8x10m gross und bestand aus eine Konzentration geschlagener Steinartefakte. Die Fundstelle datiert wahrscheinlich ähnlich wie Phase 3 von Alpe Di Rodont, ins Spätmesolithikum (basierend auf Artefakttypologie). Wie auf der Alpe Di Rodont waren die meisten Artefakte aus Bergkristall hergestellt worden, einzelne aus Ölquartzit. (Hier mehr Infos, inkl. einige Bilder und Literatur.)

Diese zwei Fundstellen und weitere Tessiner Funde von Artefakten – die typologisch meist nördlich der Alpen vorkommen – zeigen, dass das Urserental und der Gotthardpass schon während dem Mesolithikum begangen wurden. Hätten die mesolithischen Bewohner der Alpen Freude gehabt an der Abkürzung durch der Tunnel, oder war ihnen das vielleicht egal?

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2 Antworten zu “Archäologie des Gotthards Teil III

  1. Pingback: Digging a Late Mesolithic site in the central swiss Alps | hazelnut relations

  2. Ich möchte nur anfügen, dass bei Prospektionen im Umfeld des resorts natürlich noch erheblich mehr archäologisches Fundgut zutage gekommen ist. Auf einer Treasse oberhalb von Hospental fanden sich innerhalb einer Fläche von wenigen hundert Metern zahlreiche römische Metallfunde. Als schönstes Objekt ist eine Reiterfibel des 1. Jh. n. Chr. zu nennen. Bilder dazu gibts in meiner Vorlesung

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