Oral History, Flurnamen und historische Analogien in der alpinen Archäologie, 3

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des e-learning Kurs Alpine Archaeology: tools and technigues, Abt. Ur- und Frühgeschichte, UZH.

Flurnamen, Zeitzeugenaussagen und historische Analogien informieren über das, was wir meist nicht finden.

Flurname

Ein weiteres Beispiel für einen Flurnamen ist die Ochsefitterealp oberhalb von Engi im Kanton Glarus. Der Name lässt darauf schliessen, dass man im Sommer auf dieser Alp Mastochsen gehalten hat.

Das Wort Fittere kommt vom lateinischen fractura, was Bruch oder Abrutsch bedeutet. Man kann also annehmen, dass auf dieser Alp häufig Erdrutsche vorgekommen sind und dass diese Alp terrassiert ist.

Die Ochsefitterealp wurde zum ersten Mal in einem Alprodel von 1547 erwähnt.

Zeitzeuge

Eine Zeitzeugin erklärte, dass man um einen Erdrutsch aufzuhalten oder ein vom Abrutsch bedrohtes Stück Land zu befestigen, bis ins 20. Jahrhundert zu einer einfachen, aber wirkungsvollen Technik griff: Die Menschen schlugen schwere Holzbalken in die Erde und steckten danach ein Weidengeflecht in den Boden, welches schnell ausschlug, Wurzeln bildete und die „Schutzmauerbegrünte.

Die Wurzeln der Weiden- oder weidenartigen Äste befestigten den lockeren Boden und stabilisieren das Erdreich. Ein weiterer Vorteil eines Wurzelstocks ist, dass sich die Erde nicht mehr so leicht durch Regenfälle wegspülen lässt.

Die Zeitzeugin berichtete, dass sie als Kind um 1935 im Fricktal solche Befestigungen gesehen hatte, da dort der rote Lehmboden sehr leicht weggeschwemmt wurde. Ärmere Bauern, die sich kein flaches Stück Land leisten konnten, machten ihr Land in Hanglage durch Terrassenbildung mit Befestigungen aus Weidengeflecht nutzbar.

Sie berichtete auch von solchen Befestigungsmauern im Wallis die in Zeitungsartikel um 1960 erwähnt wurden. Diese Mauern waren aber aus Stein, was die Gefahr mit sich brachte, dass bei Regenfällen das Land mit der Mauer Abrutschen konnte.

Im Jahr 1965 hatte die Zeitzeugin miterlebt, wie Feuerwehrmänner einen Erdrutsch in Rieden/Gommiswald mit Holzbefestigungen aufgehalten haben.

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