Oral History, Flurnamen und historische Analogien in der alpinen Archäologie, 5

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des e-learning Kurs Alpine Archaeology: tools and technigues, Abt. Ur- und Frühgeschichte, UZH.

Flurnamen, Zeitzeugenaussagen und historische Analogien/Beispiele informieren über das, was wir meist nicht finden.

Flurname

Neben der Tannalp gibt es auf Melchsee-Frutt auch die Erzegg. Der Name lässt vermuten, dass dort ein Erzvorkommen lagert und dieses den Menschen früher auch bekannt war. Tatsächlich wurde in diesem Gebiet früher Erz im grossen Stiel abgebaut. Dieser Umstand erklärt auch, weshalb es auf Melchsee-Frutt keine Bäume mehr hat, denn für den Verhüttungsprozess wurde viel Holz benötigt und deshalb hat man das ganze Gebiet abgeholzt.

Ethnologische Analogien

Im Neolithikum wurden sehr grosse Steinbeile aus Jadeitit und Nephrit gefertigt. Dieser Rohstoff kommt vor allem im Piemont vor, war also eher selten im Rest von Europa.  Diese Beile waren z. T. aber so gross, dass man mit ihnen gar nicht arbeiten konnte. Für was wurden diese riesigen Beile aber verwendet? Ein ethnologischer Vergleich kann da evtl. eine Antwort liefern. In Neu Guinea wird in speziellen Ritualen ganz seltenes und daher wertvolles Gesteinsmaterial abgebaut und daraus werden dann extrem grosse Steinbeile gemacht. Diese sehr grossen Steinbeile dienen dort als Statusmarker. Es gibt immer wieder Wettkämpfe unter den Männern, wer am schnellsten einen Baum mit einem solchen grossen Beil gefällt hat, und wer am schnellsten war bekommt das grösste Beil und ist somit sozial sehr hoch gestellt. Ausserdem haben diese Beile dort eine lange Laufzeit, denn sie werden lange aufbewahrt und auch weitergegeben. Ähnliches könnte auch für den Neolithischen Alpenraum und für das restliche Europa in Frage kommen.

kr

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2 Antworten zu “Oral History, Flurnamen und historische Analogien in der alpinen Archäologie, 5

  1. Und: Kolloquium 1. Dez. 2010 Dr. Serge Cassen – Jade axes in Europe seen from Carnacean barrows

  2. Im Gebiet Planplatten-Balmeregg-Erzegg wurde sicher seit Beginn des 15. Jh. von den Bernern und Obwaldnern Eisenerz abgebaut. Die Bergwerke im Melchtal wurden um 1689 stillgelegt.
    Auf Berner Seite wurde das Erz teils mit Handschlitten, teils mit Pferd und Wagen durchs Gental nach Innertkirchen ins Bergwerk Mühletal („Milital“ im Haslidialekt) transportiert – Schleifwegreste sind im steilen Gelände teilweise noch zu erkennen. Der enorme Holzverbrauch für die Verhüttung führte zu einem Kahlschlag der Wälder im Gadmental. Die Wälder fehlten, um Laubstreu fürs Vieh zu sammeln. Auch Brenn- und Bauholz war in der Nähe nicht mehr verfügbar. Viel schlimmer aber wirkte sich der fehlende Schutz bei Lawinen und Überschwemmungen des Wildbachs aus.
    1628 wurde die verhasste „Ysenschmelze“ von „vermummten Gestalten“ dem Erdboden gleichgemacht. Die Regierung liess die Anlage jedoch wieder aufbauen, da auf die Eisenherstellung und v.a. auf den Guss von Kanonenkugeln nicht verzichtet werden konnte.
    Das Eisenbergwerk wurde 1813 geschlossen und an der Stelle eine Sägemühle erstellt.

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