3 Fragen an … A. Hafner

Drei Fragen an Dr. Albert Hafner. Dr. Hafner kennt Ihr vielleicht über seine Arbeiten über die Bronzezeit und das Neolithikum in der Westschweiz (David-Elbiali and Hafner im Druck, Hafner 1995, Hafner and Suter 2003). Er arbeitet für den Archäologischen Dienst des Kantons Bern wo er zuständig ist für dem Bereich „Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie“. In dieser Tätigkeit beschäftigt er sich aber auch mit der Untersuchungen auf dem Schnidejoch und der Lötschenpas (Grosjean et al. 2007, Hafner 2009, Hafner and Glauser 2010, Suter et al. 2005).

Foto: Hikr.org

Seit 2003 kommen auf dem 2756 m.ü.M. hohen Schnidejoch immer wieder Funde zum Vorschein. Sie datieren zurück bis ins Neolithikum; die jüngste Funde datieren in der römische Epoche bis ins Frühmittelalter .

Während unserem Alpensemester an der Abteilung UFG unterrichtet Dr. Hafner den Ice-Patch Archaeology-Kurs.

Alpine Archäologie: Herr Hafner, Sie sind Unterwasser und in den Alpen archäologisch tätig. Was macht diese Kombination für Sie attraktiv & sinnvoll?

Albert Hafner: Im Rahmen einer Reorganisation wurde der Archäologische Dienst 2007 „umgestellt“: statt auf einer Epochen-Gliederung beruhend gruppieren wir die Untersuchungs-Projekte seither nach „Funktionen“. Mein Bereich ist die  „Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie“. Der Hintergedanke ist dabei Fundstellen, in denen sich organische Objekte erhalten, zusammen zu bearbeiten und damit die Spezialkenntnisse optimal einsetzen zu können. Meine Hauptarbeit sind die prähistorischen Seeufersiedlungen/Pfahlbauten, die sich im Kanton Bern meist am Bielersee, aber auch an Kleinseen und in Mooren befinden. Die Funde vom Schnidejoch sind ebenfalls meist organischer Natur und sind damit in Eis, dh. eben auch feucht bzw. in Wasser eingelagert. Zufällig sind die Funde vom Schnidejoch mehrheitlich neolithisch und frühbronzezeitlich und stammen damit aus den Epochen, mit denen ich mich sowieso am meisten auseinandersetze.

Alpine Archäologie: Ice Patch Archaeology wird immer mehr von den Medien wahrgenommen. Was ist aber der Stellenwert von Ice Patch Archaeology bzw. Alpiner Archäologie innerhalb der archäologischen/wissenschaftlichen Welt?

A.Hafner: Ich stelle auch fest, dass im Moment ein ziemlicher hype um die „ice-patch archaeology“ festzustellen ist. Dieser ist wahrscheinlich aktuell durch die Medienaktivitäten von skandinavischen Kollegen angefacht worden, die sehr viele Funde machen, sehr aktiv sind (z.B. Tagung Frozen Pasts 2010 in Trondheim/Norwegen) und damit nach aussen gehen. Seit der Tagung „Ötzi, Schnidi and the reindeer hunters, Bern 2008“ ist zudem so etwas wie eine gemeinsame Forschungsrichtung entstanden. Allerdings differieren die skandinavischen und nordamerikanischen Fundstellen stark von den europäischen. Bei den ersten handelt es sich um sehr viele Fundstellen, die in Zusammenhang mit der Rentierjagd stehen (meist jagdequipment), die wenigen europäischen Fundstellen sind Übergänge mit unterschiedlichem, aber sehr reichem Fundmaterial.
Der Stellenwert innerhalb der archäologisch-wissenschaftlichen Welt ist einerseits hoch, da es sich um aussergewöhnliche Funde handelt, andererseits sind die Fundstellen mit Eiserhaltung sehr speziell und nehmen damit immer eine Sonderstellung ein. Die Zukunft der „ice-patch archaeology“ wird sicher darin liegen gemeinsam darauf aufmerksam zu machen, dass der globale Klimawandel wertvolle archäologische Funde aus dem Eis freigibt. Damit werden sie aber der Umwelt ausgesetzt und müssen rasch geborgen werden, sonst drohen sie zu zerfallen. Es geht also darum die nächsten Jahre zu nutzen, denn sonst ist es dann irgendwann zu spät. Interessant ist für mich auch, dass die Geographen und Klimatologen besonders an der „ice-patvch archaeology“ interessiert sind; für sie ist die Archäologie aus dem Eis in gewisser Hinsicht ein neuer Klimaproxie.

Alpine Archäologie: Bis jetzt hat sich die Ice Patch-Forschung des ADBs auf das Schnidejoch beschränkt. Falls sie die Ressourcen hätten, wo in den Berner oder Schweizer Alpen möchten Sie sonst noch gerne regelmässig vorbei schauen gehen?

A. Hafner: Es stimmt, von Seiten des ADB waren wir in den letzten Jahren stark mit dem Schnidejoch beschäftigt. Wir haben aber auch andere verdächtige Stellen im Kanton Bern abgesucht, die im Gebiet Wildhorn – Wildstrubel liegen; auch der Lötschenpass, wo schon in den 1930er Jahren Objekte geborgen wurden, ist in unserem Visier. Ausserhalb des Kantons Bern könnten Übergänge im Gotthardgebiet und natürlich in den Walliser Südtälern interessant sein.

Vielen Dank für Ihren Mitarbeit, Herr Hafner!

mhfc

Ausgewählte Literatur

David-Elbiali, M. & Hafner, A. im Druck. Gräber, Horte und Pfahlbauten zwischen Jura und Alpen, die Entwicklung von elitären sozialen Strukturen in der Frühen Bronzezeit der Westschweiz. In: Meller, H. (ed.) Der Griff nach den Sternen und die Sternenscheibe von Nebra (Internationale Tagung Halle/Saale 16.-21.2.2005). Halle/Saale.

Grosjean, M., Suter, P. J., Trachsle, M. & Wanner, H. 2007. Ice-borne prehistoric finds in the Swiss Alps reflect Holocene glaciers fluctuations In Journal of Quaternary Science, 22, 3, 203-207.

Hafner, A. 1995. Die Frühe Bronzezeit in der Westschweiz. Funde und Befunde aus Siedlungen, Gräbern und Horten der entwickelten Frühbronzezeit.  , Ufersiedlungen am Bielersee, 5 Bern.

Hafner, A. 2009. Geschichte aus dem Eis – Archäologische Funde aus alpinen Gletschern und Eismulden, In Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Bern, Neue Folge 66, 159-172.

Hafner, A. & Glauser, K. 2010. Lenk, Schnidejoch. begehungen und Fundbergungen im Herbst 2009, In Jahrbuch des Archäologischen Dienstes des kantons Bern, 2010, 110-111.

Hafner, A. & Suter, P. J. 2003. Vom Endneolithikum zur Frühbronzezeit: Wandel und Kontinuität zwischen 2400 und 1500 v. Chr., In Archäologisches Korrespondenzblatt, 33, 3, 325–344.

Suter, P. J., Hafner, A. & Glauser, K. 2005. Lenk – Schnidejoch. Funde aus dem Eis – ein vor- und frühgeschichtlicher Passübergang, In Archäologie im Kanton Bern, 6B, 499–522.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s