Modern Tools

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des e-learning Kurs Alpine Archaeology: tools and techniques, Abt. Ur- und Frühgeschichte, UZH.

Isotopenanalyse an Skeletten

Aufgrund der relativ schlechten Erhaltungsbedingungen von Knochen in alpinen Fundstellen, ist es umso wichtiger und interessanter, alle möglichen Informationen aus solchen spärlichen Überresten zu gewinnen. Ein viel versprechendes Modern Tool hierfür ist die Isotopenanalyse an Knochen und Zähnen.

Isotope sind Varianten desselben Elementes, aber mit unterschiedlicher Anzahl Neutronen im Kern. Dieses Vorkommen von Elementvarianten kann nun genutzt werden, indem man das Vorhandensein der Varianten eines Elementes in einem Skelett zueinander ins Verhältnis setzt. Man misst also den Wert von z.B. 87Sr zu 86Sr.

Die häufigsten und aussagekräftigsten Isotope, die analysiert werden im Zahnschmelz sind Strontium  (Sr), Sauerstoff (O), Kohlenstoff (C) und Blei (Pb); in Knochen werden Kohlenstoff (C), Stickstoff (N) und Schwefel (S) analysiert. Anhand der Zähne kann ermittelt werden, wo ein Individuum seine Kindheit verbracht hat. Die Analyse der Knochen zeigt, wo ein Individuum seine letzten ca. zehn Jahre erlebte.

Um aber überhaupt relevante Ergebnisse zu bekommen, muss man Vergleichswerte haben. Also muss man zuerst von verschiedenen Gebieten und Habitaten ebenfalls Isotopenanalysen des Bodens und des vorhandenen Wassers machen, denn Gebiete variieren in ihrer chemischen Zusammensetzung sehr. Auf diese Weise kann man gewonnene Daten eines Skelettes mit den Werten der umliegenden Gegend vergleichen und bestimmen, ob das verstorbene Individuum sein ganzes Leben in dem Gebiet, wo es begraben wurde, gelebt hat, oder ob es evtl. seine Kindheit anderswo verbrachte und dann in dieses Gebiet eingewandert ist.

Als Beispiel einer Isotopenanalyse an einem alpinen Fund sei hier Ötzi genannt. Bei der Gletscherleiche hat man Isotopenanalysen an Knochen und Zahnschmelz gemacht. Die Ergebnisse legen nahe, dass Ötzi in seiner Kindheit südöstlich der Fundstelle am Hauslabjoch lebte, aber während den letzten Jahrzehnten nördlich der Fundstelle.

Aber damit dieses Modern Tool verlässliche Ergebnisse liefert, müsste sicher bestätigt und nachgewiesen sein, dass die chemischen Zusammensetzungen der Böden, Pflanzen und Gewässer immer noch dieselbe ist wie zu Lebzeiten der jeweils gefundenen Skelette.

Isotopen_peters2008_s206

Abb. 1               Die Grafik zeigt eine Gegenüberstellung von δ13C und δ18O Werten von menschlichen Knochen, die in Nevali çori gefunden wurden. Das  Individuum in der rechten oberen Ecke stammt nicht ursprünglich aus diesem Gebiet.

Literatur

* B. David, J. Thomas, Handbook of landscape archaeology. World Archaeological Congress Research Handbooks in Archaeology (Walnut Creek 2008).

* W. Kutschera, W. Müller, „Isotope language“ oft he Alpine Iceman investigated with AMS ans MS. In: Nuclear Instruments and Methods in Physics Research Section B: Beam Interactions with Materials and Atoms, Volume 204, May 2003, Pages 705-719.

* G. Gruppe, J. Peters, Feeding humans and animals at Pre-Pottery Neolithic Nevali çori (SE-Anatolia) as evidenced by stable isotope analysis, in: E. Vila et al., Archaeozoology of the Near East VIII. Proceedings oft he eighth international Symposium on the Archaeozoology of southwestern Asia and adjacent areas Lyon, June 28th-July 1st, 2006.

Abbildungsverzeichnis

* Abb. 1: Gruppe, Peters 2008, S. 206.

KR

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