Oral History, Flurnamen und historische Analogien in der alpinen Archäologie 1

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des e-learning Kurses Alpine Archaeology: tools and techniques, Abt. Ur- und Frühgeschichte, UZH.

Flurnamen, Zeitzeugenaussagen und historische Analogien/Beispiele informieren über das, was wir meist nicht finden.

Flurnamen

Anhand von Gebietsbezeichnungen wie Orts-, Flur- und Flussnamen können Rückschlüsse auf die frühere Gebietsnutzung gezogen werden. Dabei muss die Sprachwissenschaft zu Hilfe genommen werden, wie beispielsweise die keltische und germanische Linguistik.[1]

Finden wir also das Wort „Muota“ in einem Ortsnamen oder Flurnamen, so haben wir es mit grosser Wahrscheinlichkeit eine „abgerundeten Bergkuppe“ in der Gegend. Denn dieses Wort ist indogermanisch und bedeutet genau so viel wie „abgerundete Bergkuppe“. (grün eingekreist)[2]

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Die Worte „Fimba“ und  „Id bzw. Ischgl“ sind auch sehr interessant, denn wir können sie auf das Keltische zurückführen, in welchem sie „fettes, fruchtbares Weidegebiet“ bedeuten. Tatsächlich finden wir in den Alpen genau jene Bezeichnungen für eine Ortschaft, ein Hotel und eine Bergbahn, sowie ein ganzes Tal und eine Alp.[3]

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Da wir im Rahmen dieser Arbeit kein Zugang zu indogermanischer Linguistik haben, hier noch Beispiele für schweizerdeutsche Flurnamen, die auch viel Aufschluss darüber geben, wofür das Land genutzt wird und wurde.

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(Blätz: offenes Land/ Lichtung; Weidli: kleine Weide)

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(Chalberweidli: Kleine Weide mit Kälbern oder Weide, auf der Kühe gebären)

Ethnographische Analogien

In der heutigen Zeit gibt es noch viele Länder, die auf einfache Art und Weise Landwirtschaft betreiben, wie wir es uns in prähistorischer Zeit in der Schweiz vielleicht vorstellen dürfen. Analogieschlüsse kann man beispielweise in Nepal ziehen, wofür man aber idealerweise dorthin reisen müsste um genauere Forschungen zu betreiben (mit den Leuten leben, arbeiten und sprechen). Wie wir auf dem Bild sehen können, haben wir es dort mit ähnlichen topographischen Verhältnissen zu tun wie bei uns in den Alpen. Auch in der Schweiz wurde/wird der Maulesel als Transportmittel genutzt, genauso in Nepal und wahrscheinlich genauso in prähistorischer Zeit.

Auch die Behausungen der Nepalesen sind schlicht und von Hand aus natürlichen Materialien aufgebaut. Vielleicht dürfen wir uns auch die Inneneinrichtung ähnlich vorstellen (Kochstelle usw.).

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[1] Kathrein in: Reitmaier 2012, 101-110
[2] Kathrein in: Reitmaier 2012, 10
[3] Kathrein in: Reitmaier 2012, 103
 

Bibliographie

Thomas Reitmaier (Hg). Letzte Jäger, erste Hirten. Hochalpine Archäologie in der Silvretta. Archäologie in Graubünden – Sonderheft 1 (Chur 2012).

Beispiel und Abbildungen aus Nepal von: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2007/4668/pdf/LeonhardtViehwirtschaft_Werkstatt_12_93-118.pdf

Abbildungen

1. – 4. : https://maps.google.ch/ (Stand: 04.10.2013)

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