Archiv der Kategorie: Gotthard

Vorgermanische Ortsnamen in Uri & das Gotthardgebiet

Bei Archivarbeiten fand ich diesen Artikel. Im „AA: tools and techniques“ geht es diese Woche um Oral History und andere Arten von sprachlicher Geschichte. Für wer noch ein Beispiel anschauen will:

Siegwart, J., 1971, Mons Adulas = Greina und St. Gotthard : Uri und das Gotthardgebiet im Lichte der ältesten vorgermanischen Ortsnamen, in Der Geschichtsfreund: Mitteilungen des Historischen Vereins Zentralschweiz, Vol.124, s.373-477

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Archäologie des Gotthards Teil III

Am Freitag 15.10.2010 fand der Gotthardbasistunnel-Durchbruch statt. Dies ist eine gewaltige bauliche und logistische Leistung und wir dürfen den Mineuren und ihren Kollegen herzlich gratulieren. Ein Bauwerk wie dieses wird Historiker und Archäologen der Zukunft sicher beschäftigen.

Leider hat aber die Archäologie beim Bau des Tunnels kaum eine Rolle gespielt. Zur Erinnerung an die verlorene Vergangenheit werden hier einige kurze Artikel zum Thema Gotthard erscheinen.

Zwei archäologische Grabungen, in 2007 und 2010, belegen die mesolithische Begehung des Urserentals und des Gotthardpass. Vielleicht wart Ihr selber bei den Feldarbeiten des Leventina-Projekts dabei. Dann wisst Ihr, dass die Abt. UFG der Universität Zürich etwa 100m unter der Passhöhe, Richtung Norden, beim Lago di Rodont einen Abri sondiert hat. Dabei sind drei mesolithische und eine bronzezeitliche Benützungsphase nachgewiesen worden. Die mesolithische Phasen – alle mit Feuerstellen/holzkohlenhaltigen Schichten – datieren ins Frühmesolithikum, den Übergang Früh- Spätmesolithikum und das frühe Spätmesolithikum. Die Mehrheit der Funden stammen aus Phase drei und wurden aus Bergkirstall hergestellt; eine kleine Minderheit der Artefakte aus Radiolarit.

Diesen Sommer wurde im Rahmen des Bau eines Golfresorts zwischen Andermatt und Hospental eine Prospektion durchgeführt von ProsPect gmbh. Dabei wurde u.a. eine spätmesolithische Fundstelle entdeckt, die noch teils ausgegraben werden konnte. Prof. Della Casa hat es schon erwähnt in seinem Artikel „Alte Kulturlandschaften“. Leider war aus organisatorischen und finanziellen Gründen viel zu wenig Zeit vorhanden diese Prospektion fachgerecht durchzuführen und auch von der Fundstelle konnte nur ein kleiner Teil ausgegraben werden. Sie war schon teils weggebaggert.

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Die Grabung ist noch nicht ausgewertet aber wir (die Ausgräber) können schon einiges zur Fundstelle sagen. Der Fundstelle war ~ 8x10m gross und bestand aus eine Konzentration geschlagener Steinartefakte. Die Fundstelle datiert wahrscheinlich ähnlich wie Phase 3 von Alpe Di Rodont, ins Spätmesolithikum (basierend auf Artefakttypologie). Wie auf der Alpe Di Rodont waren die meisten Artefakte aus Bergkristall hergestellt worden, einzelne aus Ölquartzit. (Hier mehr Infos, inkl. einige Bilder und Literatur.)

Diese zwei Fundstellen und weitere Tessiner Funde von Artefakten – die typologisch meist nördlich der Alpen vorkommen – zeigen, dass das Urserental und der Gotthardpass schon während dem Mesolithikum begangen wurden. Hätten die mesolithischen Bewohner der Alpen Freude gehabt an der Abkürzung durch der Tunnel, oder war ihnen das vielleicht egal?

Archäologie des Gotthards Teil II

Am Freitag 15.10.2010 wird der Gotthardbasistunnel-Durchbruch stattfinden. Dies ist eine gewaltige bauliche und logistische Leistung und wir dürfen den Mineuren und ihren Kollegen herzlich gratulieren. Ein Bauwerk wie dieses wird Historiker und Archäologen der Zukunft sicher beschäftigen.

Leider hat aber die Archäologie beim Bau des Tunnels kaum eine Rolle gespielt. Zur Erinnerung an die verlorene Vergangenheit werden hier einige kurze Artikel zum Thema Gotthard erscheinen.

Die schmale, steile Schöllenenschlucht fasziniert Leute schon lang. Seit wann ist es überbrückt? Seit wann wir der Gotthardpass benutzt? Wurde der Gotthardpass schon vor der Überbrückung begangen? Diesen kurzen Bericht aus 1933 ist ein gutes Beispiel von dieser Faszination und der frühen Erforschung der Passroute.

Schöllenen Teufelsbrücke, JbSGU 1933

Wir wissen jetzt, dass die Schöllenen wahrscheinlich schon vor 1200 AD überbrückt wurde. Es ist aber wahrscheinlich, dass Gotthard, Furka und Oberalp schon vorher begangen wurden. Der Schöllenen kann über den Bäzberg oder durch das Riental und über der Gütsch umgangen werden. Im Urserntal gibt es eindeutige Hinweise für Begehung während der römischen Epoche und auch schon während der Bronze Zeit und das Spätneolithikum (siehe u.a. Della Casa 1999,  2007, Hess et al. 2010, Primas et al. 1992).

Aber es gibt schon ältere Funde. Über den ersten Benutzern der Gotthardpass geht es dann in Teil III.

Bibliografie

Della Casa, P. (ed.) 1999. Prehistoric alpine environment, society, and economy: Papers of the international colloquium PAESE’97 in Zürich, Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie, 55, Bonn: Habelt.

Della Casa, P. 2007. Transalpine pass routes in the Swiss Central Alps and the strategic use of topographic recources, In Preistoria Alpina, 42, 109-118.

Hess, T., Reitmaier, T., Jochum Zimmermann, E., Balmer, A., Dobler, I. & Della Casa, P. 2010. Leventina – prähistorische Siedlungslandschaft. Arcäologischer Survey im alpinen Tessintal und entlang der Gotthardpassroute 2007/2008: kommentierter Katalog, In Jahresbuch der Archäologie Schweiz, 93, 173-193.

Primas, M., Della Casa, P. & Schmid-Sikimic, B. 1992. Archäologie zwischen Vierwaldstättersee und Gotthard: Siedlungen und Funde der ur- und frühgeschichtlichen Epochen., Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie, 12 Bonn, Habelt.

Archäologie des Gotthards Teil I

Am Freitag 15.10.2010 wird der Gotthardbasistunnel-Durchbruch stattfinden.

Amsteg Westroehre, von http://www.alptransit.ch

Dies ist eine gewaltige bauliche und logistische Leistung und wir dürfen den Mineuren und ihren Kollegen herzlich gratulieren. Ein Bauwerk wie dieses wird Historiker und Archäologen der Zukunft sicher beschäftigen.

Leider hat aber die Archäologie beim Bau des Tunnels kaum eine Rolle gespielt. Zur Erinnerung an die verlorene Vergangenheit werden hier einige kurze Artikel zum Thema Gotthard erscheinen.

Als erstes ein Zitat von der in augusteischer Zeit schreibende Geograph Strabon über das Reisen in den Alpen und die Erschliessung der Alpen durch die römische Strassenbautechnik:

Denn es ist nicht möglich überall die Natur zu bewältigen, wo der Weg über enorme Felsen und Bergwände führt, die teils über die Strasse emporragen, teils unter ihr abfallen, so dass, auch wenn man nur ein wenig von der Strasse abweicht, man unweigerlich Gefahr läuft, in abgrundtiefe Schluchten zu stürzen. Der Weg ist stellenweise so schmal, dass er sowohl den zu Fuss Gehenden als den Saumtieren, die es nicht gewöhnt sind, Schwindel macht (die einheimischen Saumtiere tragen die Lasten sicher). Dagegen ist also nichts zu machen, ebenso wenig wie gegen die von oben herabrutschenden enormen Eisschichten, die eine ganze Gesellschaft von Reisenden abschneiden und in die Schluchten unterhalb stossen können: es liegen nämlich viele Schichten aufeinander, da der Schnee immer wieder zu Eis gefriert, und die oberen Schichten lösen sich leicht von den tieferen, bevor sie in der Sonne ganz zergehen. (Strabon 4, 6, 6/C 204; nach Radt.)

Dieses Zitat und mehr über der römischen Darstellung der Alpen und den Alpenbewohnern in Rollinger (2005).

Rollinger, R. 2005. Zwischen Faszinosum und Schauder: Die Darstellung von Alpen, Alpenregion und Alpenbewohnern in der Antiken Geographie und Ethnographie. In: Holzner, J. & Walde, E. (eds.) Brüche und Brücken; Kulturtransfer im Alpenraum von der Steinzeit bis zur Gegenwart, Wien: Folio verlag, 48-57.

mhfc