Archiv der Kategorie: Schweiz

Alpinarchäologischer Winterschlaf

Mit dieser Reihe von Beiträge zur Zukunft der alpinen Archäologie aus Sicht der Studenten des e-learning Kurs Alpine Archäologie (Abt. UFG, Universität Zürich) ist nicht nur die Lehrveranstaltung aber auch der Alpine Archäologie-Blog für das Herbstsemester 2013 zu einem Ende gekommen. Dank gebührt nicht nur den Studenten für ihr Engagement und ihre Beiträge sondern auch Ihnen dafür, dass Sie manchmal vorbei geschaut haben!

Aus: Peter, Cailler, Kohler, 1953, Warum die Murmeltiere pfeifen. 24 neue Tiermärchen Märchenbuch / Sammelalbum, Herausgegeben von Chocolats Nestlé. Copyright 1953 Nestlé Produkte, Vevey (Schweiz)

Aus: Peter, Cailler, Kohler, 1953, Warum die Murmeltiere pfeifen. 24 neue Tiermärchen Märchenbuch / Sammelalbum, Herausgegeben von Chocolats Nestlé. Copyright 1953 Nestlé Produkte, Vevey (Schweiz)

Der Alpine Archäologie-Blog wird jetzt dem Beispiel der Marmota marmota folgen und einen Winterschlaf machen. Abonnieren Sie uns via RSS oder Email, dann hören Sie automatisch wie und wann es hier wieder weitergehen wird. Oder folgen Sie der Alpine Archäologie Facebookseite. Dort informieren wir Sie über Neuigkeiten aus der alpinen Archäologie, oder werden auch gerne von Ihnen informiert. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Die alpine Archäologie Heute und in der Zukunft

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des e-learning Kurs Alpine Archaeology: tools and technigues, Abt. Ur- und Frühgeschichte, UZH.

Es ist beeindruckend, was heute in der alpinen Archäologie geleistet wird, wenn die entsprechenden finanziellen Mittel den Einsatz von erprobten Methoden, aber auch von modernen Tools erlauben. Nur schon in den letzten zehn  Jahren wurden in diversen Kantonen erhebliche Funde und Befunde zu Tage gebracht, die erst durch den Einsatz naturwissenschaftlicher Nachbardisziplinen wie Biologie, Geologie etc. und moderner Tools möglich waren. Die Wissenschaften haben sich in den letzten Jahren dauernd weiterentwickelt und haben an wissenschaftlicher Genauigkeit gewonnen, so dass sich die alpine Archäologie auch auf ziemlich präzise Resultate verlassen kann. Dank der Forschung hat sich die Technik ebenfalls weiterentwickelt und es stehen heute moderne Hilfsmittel wie Drohnen, Lidar, GIS etc. zur Verfügung, die eine genauere Erforschung einer zu untersuchenden alpinen archäologischen Stätte vereinfachen. Vielfach stösst der Einsatz von naturwissenschaftlichen Methoden und modernen Tools an seine Grenzen, vor allem in Bezug auf die Finanzen, was wiederum sehr schade ist und so manches Objekt oder manchen Befund in den Alpen unentdeckt lässt. Manchmal gibt es jedoch auch Zufälle, die unerwartet zu archäologischen Sensationen führen.

Abbildung 1: Ötzi, 19. Sept. 1991

Abbildung 1: Ötzi, 19. Sept. 1991

So waren zum Beispiel in den letzten Jahren der Gletscherfund Ötzi aus den Ötztaler Alpen im Tirol und die „Ice Patch“ Funde vom Schnidejoch, Kanton Bern, in der Schweiz äusserst beeindruckend. Beide Ereignisse sind auf die Klimaerwärmung und den daraus folgenden Rückgang der  Gletscher zurückzuführen. In beiden Fällen  haben Wanderer die Entdeckungen gemacht und bei den entsprechenden archäologischen Diensten gemeldet.

Abbildung 2: Lederlegging vom Schnidejoch, Lederlegging. Gefunden zwischen 2003 und 2005

Abbildung 2: Lederlegging vom Schnidejoch, Lederlegging. Gefunden zwischen 2003 und 2005

Dank naturwissenschaftlicher Untersuchungen wie etwa C14-Datierungen, aDNA-Untersuchungen usw. konnten reiche Erkenntnisse aus beiden Ereignissen gezogen werden, die viel über unsere prähistorischen Vorfahren und deren Wirken und Wirtschaften in den Alpen aussagen.

Die alpine Archäologie wird auch in Zukunft eine wichtige Disziplin bleiben und bestimmt nicht an Bedeutung verlieren. Die leider fortschreitende Klimaerwärmung wird der alpinen Archäologie weitere unerwartete Funde aus den Gletschern und „Ice Patches“ bescheren. Zudem entwickeln sich auch die Naturwissenschaften und die Technik dauernd weiter, so dass die Forschungsresultate immer genauer werden und relativ verlässliche Berichte in Bezug auf unsere Vorfahren aus der prähistorischen Zeit in den Alpen liefern werden.

(LW)

Bibliographie:

Angelika Fleckinger, Ötzi, der Mann aus dem Eis (Wien 2007).

Angela Schlumbaum et al, Journal of Archaeological Science, Ancient DNA, a Neolithic legging from the Swiss Alps and the early history of goat, Basel, Switzerland 2010.

Zugtiere – Nur Pferde und Rinder?

Beide letzten Beiträge erwähnen Rinder und Pferde als Zugtieren. Dieses Bild aus den 1960-er Jahren zeigt, dass es auch bis vor Kurzem noch eher unerwartete Zugtieren gab! Es ist Teil von Ausstellung über Trimstein(Münsingen, Kt. Bern). Nicht alpine, aber doch …

(mhfc)

Als noch «Bäri» und «Bella» die Milch in die Käsi brachten: Undatierte Aufnahme des einstigen Knechts Fritz Egl. Schloss Münsingen

Als noch «Bäri» und «Bella» die Milch in die Käsi brachten: Undatierte Aufnahme des einstigen Knechts Fritz Egl. Copyright: Schloss Münsingen (Klick für Webseite).

Oral History, Flurnamen und historische Analogien in der alpinen Archäologie, 2

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des e-learning Kurs Alpine Archaeology: tools and technigues, Abt. Ur- und Frühgeschichte, UZH.

Flurnamen, Zeitzeugenaussagen und historische Analogien/Beispiele informieren über das, was wir meist nicht finden. Wir möchten in diesem Blogeintrag auf zwei dieser Methoden und ihren Informationsgehalt für die prähistorische Archäologie näher eingehen. Besonders im Alpenraum haben wir Archäologen das Problem, dass materielle Funde eher rar sind. Und doch wissen wir, dass der Alpenraum schon früh bewirtschaftet wurde. Wie finden wir jetzt aber heraus, wie diese Alpenbewirtschaftung in etwas ausgesehen haben könnte?

Die erste Möglichkeit, die man anwenden könnte, ist die Ethnographische Analogie. Wir suchen uns also Kulturen, die noch möglichst nahe an der angenommenen archäologischen Wirklichkeit leben und schauen uns an, wie sie die Dinge tun, die wir untersuchen wollen. Wir ziehen aus dem Alltagsleben dieser Kulturen also Rückschlüsse auf die mögliche prähistorische Realität.

1. Ethnographische Analogien

Dieser Beitrag setzt seinen Fokus auf die Entwicklungstechnik der Landwirtschaft in unterschiedlichen Ländern der Erde.

Die ethnographische Analogien zwischen diesen Ländern wird durch das Beobachten der Technik in der Landwirtschaft plausibel.

Der Bauer aus einen ferngelegenem Dorf in Afghanistan (1Foto) pflügt mit beinah gleicher Technik und dem gleichen Werkzeug sein Land, wie der Bauer aus Deutschland (2Film) Und die 3Vorlesung über die Kulturentwicklung im Neolithikum von Mitteleuropa mit dem Untertitel „ Siedlungswesen“ zeigt auf der Seite 10 der Folien das gleiche Bild (Zeichnung) eines Bauers, der mit denselben Methoden und Techniken den Boden bearbeitet.

Die untenstehenden Bilder zeigen das gleiche Vorgehen der Bauern beim Pflügen an unterschiedlichen Orten auf der Erde. Dies kann eine Analogie für das intuitive Verhalten der Menschen sein. Mit anderen Worten, der Mensch handelt in gewissen Bereichen des Lebens gleich wie ein anderer Mensch an einem anderen Ort der Erde. Dieses Thema ist ein sehr komplexes und bedarf einer Reihe von „ethnogeographischen“ Untersuchungen, welche mit der Entwicklung der Kultur und Sitten der untersuchten Gesellschaften verbunden sein müssen.

csm_landwirtschaft_14_f6738226b9

Die Kuh, das wichtige funktionelle Mittel der Landwirtschaft.
http://liportal.giz.de/fileadmin/_processed_/csm_landwirtschaft_14_f6738226b9.jpg

 

 

Wieder die Kuh als Hilfsmittel und die gleiche Technik des Pflügens, dieses Mal in Afghanistan: http://www.medienarchiv.com/Asien/Afghanistan/Afghanistan-1968/Afghanistan1.htm

Wie die Bauer früher lebten:http://www.youtube.com/watch?v=bFCnQywHBSw

Landwirtschaft gestern: Ackerbau in der Schweiz um 1936:http://www.youtube.com/watch?v=Yq2ojom6wAk

Joseph2pflug

Das Pferd als Hilfsmittel aber die gleiche Arbeitsvorgänge auf dem Land. http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Joseph2pflug.jpg

 

Vergleichbarkeit?

Dabei stellt sich das Problem der Vergleichbarkeit. Können wir wirklich aus heutigen Kulturen Rückschlüsse auf die Prähistorie ziehen? Auch wenn die Kultur noch so „ursprünglich“ lebt, allein die Anwesenheit des Forscher ist für sie ein Kontakt mit der sogenannten „Zivilisation des 21. Jahrhunderts“ und damit ein Eingriff in diese „Ursprünglichkeit“. Doch wenn wir als Archäologen dies bei unseren Untersuchungen berücksichtigen, so sind durch ethnographische Analogien durchaus vorsichtige Rückschlüsse auf die Prähistorie möglich.

(RB & LR)

2. Oral History

Die zweite Möglichkeit ist die „Oral History“. Diesen Begriff in der Archäologie zu gebrauchen, mag etwas irritieren, denn wen soll man den befragen? Die Zeitzeugen der Prähistorie sind ja alle schon lange tot!

Doch wie bei der ethnographischen Ethnologie kann man auch aus der näheren Vergangenheit durchaus Rückschlüsse auf die prähistorische Situation ziehen. Besonders in der Alpwirtschaft hat sich nicht so viel geändert seit dieser Zeit. Noch vor 50 bis 100 Jahren wurde in den Alpen mit recht primitiven Mitteln gewirtschaftet. Indem wir nun Interviews mit diesen älteren Zeitzeugen führen und sie erklären lassen, wie sie gelebt und gearbeitet haben, kann man durchaus Parallelen zur prähistorischen Situation ziehen.

Ein anderes Beispiel sind Flur- und Ortsnamen, die Hinweise auf die frühere landwirtschaftliche Bewirtschaftung dieser Landstriche geben können. Diese Flurnamen existieren bis heute und können aus verschiedenen Sprachen abgeleitet werden. Ganz grob lässt sich sagen, dass drei Sprachschichten in der Schweiz vorkommen. Keltisch, Romanisch und Alemannisch.4

Oral History2 aa13

Beispiel 1: Flurnamen in Grindelwald (auf Landwirtschaft hinweisende Namen sind z.B.: IN der Lienzweid, In der Weid, Auf der Fuhrermatte, Im Waidli, im Zaun)5

 

Beispiel 2: In der Umgebung von Frauenkappeln gibt es viele Ortsnamen, die auf -weid, -matt und -ried enden. Alle diese Endungen weisen auf Weiden, Grasflächen und gerodete Gebiete hin. Also auch hier wieder ein Hinweis auf landwirtschaftliche Nutzung des Geländes.

Link zur Karte: http://www.zumbo.ch/maps/navigate/23/karte.jpg

(LR)

Quellen:

Wir sind wieder da!

Nach ca. 30 langen Monaten ist Alpine Archäologie wieder zurück! Während des HS13 wird der Kurs Alpine Archaeology: Tools & Techniques wieder durchgeführt und wir werden auch dieser Blog wieder nutzen. Wir werden die Blog benutzen um über aktuelle (und vergangene) Ereignisse aus der Welt der alpine Archäologie und unseren Arbeit im Rahmen der Kurs zu Berichten und die Studenten werden als Teil der Kurs auch speziell für der Blog gemachte Beiträge aufschalten. Wir freuen uns auf einen schönen Zusammenarbeit und auf Euren regelmässigen Besuch!

Eine erste erfreuliche Mitteilung: Am 6. November 2013 (18:15 UFG-Bibliothek, UZH) werden M. Sauter, W. Imhof und U. Leuzinger über die Prospektionsarbeiten in Kt. Uri und die Ausgrabung in Attinghausen-Geissrüggen 2013 erzählen. Ihr seid herzlich eingeladen und es geht das Gerücht, dass es nachher einen Apéro gibt …

Blick über der Fundstelle Attinghausen-Geissrüggen, Kt. Uri.

Blick über der Fundstelle Attinghausen-Geissrüggen, Kt. Uri.

 

Fotograf J. Beck – alpine Fotografie des 19. Jh

Ich war in der sehr schönen Ausstellung von Fotos des frühen Alpinen Fotograf Jules Beck im Schweizerischen Alpinen Museum, Bern. Der in Biel und Bern aufgewachsene Jules Beck wird ab 1866 zum Wegbereiter einer vollständig neuen Art der Bergfotografie. Der Pionier setzt ab 1866 die neue Trockenplattentechnik ein, die eine mobile Bergfotografie mit unmittelbarer Nähe zum Bergerlebnis ermöglicht. Mit großer Ausdauer schafft Beck während 24 Jahren ein vollständiges Werk mit 1’200 Aufnahmen aus allen wichtigen Teilen des Schweizer Alpenraums und aus Gebirgen der Nachbarländer. Für die Ausstellung ist Becks international bedeutendes Werk aufgearbeitet worden.

J. Beck - Goescheneralp, 1883. Schweizerisches Alpines Museum

Auf einigen der Fotos sieht man einige der ersten Alphütten, oft nicht mehr als ein oder zwei Trockensteinmauern gegen einen Felswand. Wäre das nicht tolle Archäologie? Auf dieser tollen Blog ein Par Fotos von etwas ähnliches: Archäologie auf Antartika.

J. Beck - Aufsteigvom Fieschergletscher, 1872. Schweizerisches Alpines Museum

Auf einige Fotos in der Ausstellung sieht man auch sehr eindrücklich wie die Gletscher sich zurück gezogen haben während der letzten 150 Jahre.

mhfc

3 Fragen an … Michel Mauvilly

Drei Fragen an Michel Mauvilly, SAEF, Schweiz. Seit einigen Jahren führen Michel Mauvilly und seine Kollegen in den Freiburger (Vor-)Alpen Prospektionen durch. Sie sind dabei äusserst erfolgreich und haben über 150 Fundstellen entdeckt: Freilandfundstellen wie auch Abris. Die meisten enthalten Funde aus dem Mesolithikum und der Spätbronzezeit, aber auch andere Epochen sind vorhanden  (Braillard et al. 2003). Der Abri Charmey/Les Arolles wurde schon teils ausgegraben. Auch gräbt Michel Mauvilly den Abri von Arconciel/La Souche im Saanetal bei Fribourg aus (Mauvilly et al. 2007, Mauvilly et al. 2008a, Mauvilly et al. 2008b).

(Am Donnerstag 16.12.2010 wird Michel Mauvilly seine Arbeit in Bern vorstellen.)

Alpine Archäologie: Ihre Suche nach vor allem mesolithischen Fundstellen in den Freiburger Alpen war sehr erfolgreich. Was hat Sie dazu bewogen Prospektion in dieser Region zu machen?

Michel Mauvilly: Anders als beispielsweise in den Kantonen Waadt, Bern, Neuenburg oder Jura, wo die ersten Untersuchungen zum Mesolithikum relativ früh begannen, kam im Kanton Freiburg erst in den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ein echtes Interesse an dieser Epoche auf. Die starke Konzentration der prähistorischen Forschung auf die Seeufer, auf Fürstensitze oder Grabhügel war sicherlich ein Grund für diese Verzögerung. Eine wesentliche Rolle hat aber die grundsätzliche Fehleinschätzung des kantonalen Potenzials an Orten, die Spuren menschlichen Lebens im Mesolithikum aufweisen könnten, gespielt.

Die Grundlagen des aktuellen Forschungsprogramms zu den postglazialen Zivilisationen und zu den natürlichen Abris entstanden so erst Ende der 1980er Jahre, und es dauerte weitere zwanzig Jahre, bis sich diese Untersuchungen etablieren konnten.

Ein neuer Abschnitt der Erforschung der spät- und postglazialen Zivilisationen hat mit der Einrichtung eines interdisziplinären Forschungsprogramms begonnen, das folgende Hauptziele verfolgt:
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