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Die alpine Archäologie Heute und in der Zukunft

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des e-learning Kurs Alpine Archaeology: tools and technigues, Abt. Ur- und Frühgeschichte, UZH.

Es ist beeindruckend, was heute in der alpinen Archäologie geleistet wird, wenn die entsprechenden finanziellen Mittel den Einsatz von erprobten Methoden, aber auch von modernen Tools erlauben. Nur schon in den letzten zehn  Jahren wurden in diversen Kantonen erhebliche Funde und Befunde zu Tage gebracht, die erst durch den Einsatz naturwissenschaftlicher Nachbardisziplinen wie Biologie, Geologie etc. und moderner Tools möglich waren. Die Wissenschaften haben sich in den letzten Jahren dauernd weiterentwickelt und haben an wissenschaftlicher Genauigkeit gewonnen, so dass sich die alpine Archäologie auch auf ziemlich präzise Resultate verlassen kann. Dank der Forschung hat sich die Technik ebenfalls weiterentwickelt und es stehen heute moderne Hilfsmittel wie Drohnen, Lidar, GIS etc. zur Verfügung, die eine genauere Erforschung einer zu untersuchenden alpinen archäologischen Stätte vereinfachen. Vielfach stösst der Einsatz von naturwissenschaftlichen Methoden und modernen Tools an seine Grenzen, vor allem in Bezug auf die Finanzen, was wiederum sehr schade ist und so manches Objekt oder manchen Befund in den Alpen unentdeckt lässt. Manchmal gibt es jedoch auch Zufälle, die unerwartet zu archäologischen Sensationen führen.

Abbildung 1: Ötzi, 19. Sept. 1991

Abbildung 1: Ötzi, 19. Sept. 1991

So waren zum Beispiel in den letzten Jahren der Gletscherfund Ötzi aus den Ötztaler Alpen im Tirol und die „Ice Patch“ Funde vom Schnidejoch, Kanton Bern, in der Schweiz äusserst beeindruckend. Beide Ereignisse sind auf die Klimaerwärmung und den daraus folgenden Rückgang der  Gletscher zurückzuführen. In beiden Fällen  haben Wanderer die Entdeckungen gemacht und bei den entsprechenden archäologischen Diensten gemeldet.

Abbildung 2: Lederlegging vom Schnidejoch, Lederlegging. Gefunden zwischen 2003 und 2005

Abbildung 2: Lederlegging vom Schnidejoch, Lederlegging. Gefunden zwischen 2003 und 2005

Dank naturwissenschaftlicher Untersuchungen wie etwa C14-Datierungen, aDNA-Untersuchungen usw. konnten reiche Erkenntnisse aus beiden Ereignissen gezogen werden, die viel über unsere prähistorischen Vorfahren und deren Wirken und Wirtschaften in den Alpen aussagen.

Die alpine Archäologie wird auch in Zukunft eine wichtige Disziplin bleiben und bestimmt nicht an Bedeutung verlieren. Die leider fortschreitende Klimaerwärmung wird der alpinen Archäologie weitere unerwartete Funde aus den Gletschern und „Ice Patches“ bescheren. Zudem entwickeln sich auch die Naturwissenschaften und die Technik dauernd weiter, so dass die Forschungsresultate immer genauer werden und relativ verlässliche Berichte in Bezug auf unsere Vorfahren aus der prähistorischen Zeit in den Alpen liefern werden.

(LW)

Bibliographie:

Angelika Fleckinger, Ötzi, der Mann aus dem Eis (Wien 2007).

Angela Schlumbaum et al, Journal of Archaeological Science, Ancient DNA, a Neolithic legging from the Swiss Alps and the early history of goat, Basel, Switzerland 2010.

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3 Fragen an … A. Hafner

Drei Fragen an Dr. Albert Hafner. Dr. Hafner kennt Ihr vielleicht über seine Arbeiten über die Bronzezeit und das Neolithikum in der Westschweiz (David-Elbiali and Hafner im Druck, Hafner 1995, Hafner and Suter 2003). Er arbeitet für den Archäologischen Dienst des Kantons Bern wo er zuständig ist für dem Bereich „Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie“. In dieser Tätigkeit beschäftigt er sich aber auch mit der Untersuchungen auf dem Schnidejoch und der Lötschenpas (Grosjean et al. 2007, Hafner 2009, Hafner and Glauser 2010, Suter et al. 2005).

Foto: Hikr.org

Seit 2003 kommen auf dem 2756 m.ü.M. hohen Schnidejoch immer wieder Funde zum Vorschein. Sie datieren zurück bis ins Neolithikum; die jüngste Funde datieren in der römische Epoche bis ins Frühmittelalter .

Während unserem Alpensemester an der Abteilung UFG unterrichtet Dr. Hafner den Ice-Patch Archaeology-Kurs.

Alpine Archäologie: Herr Hafner, Sie sind Unterwasser und in den Alpen archäologisch tätig. Was macht diese Kombination für Sie attraktiv & sinnvoll?

Albert Hafner: Im Rahmen einer Reorganisation wurde der Archäologische Dienst 2007 „umgestellt“: statt auf einer Epochen-Gliederung beruhend gruppieren wir die Untersuchungs-Projekte seither nach „Funktionen“. Mein Bereich ist die  „Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie“. Der Hintergedanke ist dabei Fundstellen, in denen sich organische Objekte erhalten, zusammen zu bearbeiten und damit die Spezialkenntnisse optimal einsetzen zu können. Meine Hauptarbeit sind die prähistorischen Seeufersiedlungen/Pfahlbauten, die sich im Kanton Bern meist am Bielersee, aber auch an Kleinseen und in Mooren befinden. Die Funde vom Schnidejoch sind Weiterlesen

Edelsteinzeitliche Gletscherleiche

 

edelsteinzeitliche gletscherleiche

mhfc/tre

 

Archäologie des Gotthards Teil III

Am Freitag 15.10.2010 fand der Gotthardbasistunnel-Durchbruch statt. Dies ist eine gewaltige bauliche und logistische Leistung und wir dürfen den Mineuren und ihren Kollegen herzlich gratulieren. Ein Bauwerk wie dieses wird Historiker und Archäologen der Zukunft sicher beschäftigen.

Leider hat aber die Archäologie beim Bau des Tunnels kaum eine Rolle gespielt. Zur Erinnerung an die verlorene Vergangenheit werden hier einige kurze Artikel zum Thema Gotthard erscheinen.

Zwei archäologische Grabungen, in 2007 und 2010, belegen die mesolithische Begehung des Urserentals und des Gotthardpass. Vielleicht wart Ihr selber bei den Feldarbeiten des Leventina-Projekts dabei. Dann wisst Ihr, dass die Abt. UFG der Universität Zürich etwa 100m unter der Passhöhe, Richtung Norden, beim Lago di Rodont einen Abri sondiert hat. Dabei sind drei mesolithische und eine bronzezeitliche Benützungsphase nachgewiesen worden. Die mesolithische Phasen – alle mit Feuerstellen/holzkohlenhaltigen Schichten – datieren ins Frühmesolithikum, den Übergang Früh- Spätmesolithikum und das frühe Spätmesolithikum. Die Mehrheit der Funden stammen aus Phase drei und wurden aus Bergkirstall hergestellt; eine kleine Minderheit der Artefakte aus Radiolarit.

Diesen Sommer wurde im Rahmen des Bau eines Golfresorts zwischen Andermatt und Hospental eine Prospektion durchgeführt von ProsPect gmbh. Dabei wurde u.a. eine spätmesolithische Fundstelle entdeckt, die noch teils ausgegraben werden konnte. Prof. Della Casa hat es schon erwähnt in seinem Artikel „Alte Kulturlandschaften“. Leider war aus organisatorischen und finanziellen Gründen viel zu wenig Zeit vorhanden diese Prospektion fachgerecht durchzuführen und auch von der Fundstelle konnte nur ein kleiner Teil ausgegraben werden. Sie war schon teils weggebaggert.

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Die Grabung ist noch nicht ausgewertet aber wir (die Ausgräber) können schon einiges zur Fundstelle sagen. Der Fundstelle war ~ 8x10m gross und bestand aus eine Konzentration geschlagener Steinartefakte. Die Fundstelle datiert wahrscheinlich ähnlich wie Phase 3 von Alpe Di Rodont, ins Spätmesolithikum (basierend auf Artefakttypologie). Wie auf der Alpe Di Rodont waren die meisten Artefakte aus Bergkristall hergestellt worden, einzelne aus Ölquartzit. (Hier mehr Infos, inkl. einige Bilder und Literatur.)

Diese zwei Fundstellen und weitere Tessiner Funde von Artefakten – die typologisch meist nördlich der Alpen vorkommen – zeigen, dass das Urserental und der Gotthardpass schon während dem Mesolithikum begangen wurden. Hätten die mesolithischen Bewohner der Alpen Freude gehabt an der Abkürzung durch der Tunnel, oder war ihnen das vielleicht egal?

Ein Rennen gegen die Zeit

In den abgelegenen Mackenzie Mountains im Nordwesten Kanadas finden Wissenschaftler eine grosse Anzahl von antiken Jagdartefakten, welche auf Grund von steigenden Temperaturen unter den Jahrtausend alten Eisschichten zum Vorschein gelangen.

Die Wissenschaftler wissen allerdings, dass die Eisschichten in nächster Zeit weiterhin stark zurückgehen werden. Sie müssen deshalb die Artefakte so schnell wie möglich einsammeln – die wertvollen Stücke werden sonst von wilden Tieren zertrampelt oder vom sauren Boden aufgelöst.

-> zum vollständigen Artikel auf Englisch

ein Artikel von Jason McManus angepasst von Materialen, die vom Arctic Institute of North America zur Verfügung gestellt wurden

swil